Porsche bis 993 vs. Porsche ab 996

Das Erscheinen des 996 war für Porsche ein wesentlicher Schachzug in Richtung Rettung des Unternehmens Porsche. Gemeinsam mit den Baureihen Cayenne und Boxster legte Wiedeking den Grundstein für die Gesundung und Diversifikation des Unternehmens.

Für das Unternehmen mag es die Rettung gewesen sein, für die Marke war es ein Tiefschlag. Traditionalisten stockte beim Erstmaligen Kontakt mit der modernen Baureihe 996 zurecht der Atem. Mir persönlich ist es relativ egal, wenn mechanisch zu erklären ist, dass ein wassergekühltes Motorenkonzept das ausbaufähigere gegenüber der luftgekühlten Variante ist.

Was mit dem 996 gemeistert wurde, war die Öffnung für neue Zielgruppen. Der 911 war nun größer, bequemer, im Innenraum gefälliger und hatte mehrere Generationen Modernisierung verarbeitet. Der Einstieg war einfacher, das Treten der Kupplung erforderte nun keine gestählten Waden mehr und selbst die drei Messangaben für das Öl wurden reduziert. Dazu eine Mittelkonsole, die den Namen auch verdiente, inklusive Display und vielen Schaltern.

Das Klientel, was es zu überzeugen galt, waren in Ehren Ergraute, die bisher eher in Mercedes- oder BMW-Automobilen unterwegs waren. Und beide Marken boten nicht wirklich Sportlichkeit im Programm, Sie gingen eher den umgekehrten Weg. Aber Porsche schaffte es, aus dem Elfer eine Sportlimousine zu machen, das ist auch genau das, was den Wendepunkt markiert und so viele Elfer-Traditionalisten ihren Strich hinter dem 993 machen lässt.

Aus dem Sportwagen wurde eine leicht zu bedienende Sportlimousine, die zwar Porsche Restgene beinhaltet ist, aber so weit weg vom Charme des 993 oder früherer Baureihen ist, wie der Mensch vom Mond.

Mein Autoblog

Ich weiss es ja selber. Geschichten und Berichte über Old- und Youngtimer gibt es zu tausenden. Hier wird das Rad auch nicht neu erfunden.

Seit ich klein bin, faszinieren mich Autos. Nicht wirklich alle aber ich bin in den 70ern und frühen 80ern groß geworden. Mit Michel Vaillant, Tony Curtis, Roger Moore und auch Magnum. Dazu waren mein Vater und einige andere aus dem Kreis der Verwandten, sagen wir, autoaffin, so dass ich gar nicht drum herum gekommen bin, das als Teil meiner Kultur und meines Erwachsenwerdens zu verinnerlichen.

Die ersten Autos, die ich als Kind gemalt habe, waren Dinos. Das Fiat Dino Spider von Pininfarina ist das erste Auto, das mich faszinierte, der 308 GTB/4 war der nächste. Den ersten Sportwagen, im dem ich mitfahren durfte, war 1976 ein saturngelber 914-6. Mein Onkel hatte ihn gerade neu und wir feuerten die Bergstraße in Ennepetal herunter. Ähnlich die im Lotus heute ist die Sitzposition beinahe liegend, die Innenausstattung sehr reduziert und der Lärm direkt hinter Dir.

Ich kann mich nicht mehr an ganz so viele Details erinnern – wohl aber an das wohlige Gefühl im Magen, hervorgerufen durch die Mischung aus Kurven, Geschwindigkeit, Benzin und dem Krawall aus den Auspuffrohren.

Besagter Onkel fuhr einige Jahre später mit einem Alpine A310 vor, kupfer, 150 PS. Eine unglaubliche Kiste. Auf der Landstrasse zwischen Schwelm und Gevelsberg kamen wir auf 210, ich weiss gar nicht, ob es damals schon Gurte gab, wann war das? 82? 83?

Lotusfahren

Ich hatte bis auf die Esprit S1/S2-Erfahrungen, die meine Generation geschlossen mitgemacht hat, keine besondere Nähe zu Lotus. Esprit fand ich immer sehr cool, auch weil sie nicht so selten waren, dass man nicht mal einen irgendwo gesehen hat.

Aber als die Elise so 97 rum dann auf den Straßen auftauchte, bin ich ausgeflippt. Mazda hatte mit dem Miata die Roadster-Revolution eingeläutet, BMW Z3, Fiat Barchetta gut nachgezogen. Die Elise ist zwar kein Roadster aber passte aber super in die Zeit. Und sie war exklusiv. Zum einen war sie mit knapp 62.000 DM im Vergleich eher teuer (Miata ca. 35.000 DM, BMW ca. 40.000 DM (1.8 1996), Barchetta ca. 32.000 DM) und sie verlangte einem eine Menge ab.

Auf dem Weg zur Arbeit 1996 oder 97 war eine zeitlang links auf dem Weg von Gevelsberg nach Wetter eine schwarze Elise zuhause. Ich fragte einmal auf dem Weg nach Hause den offensichtlichen Besitzer, ob ich mal mitfahren dürfte, durfte ich. Was für ein Auto.

Im letzten Modelljahr war es soweit. Im Schwarzwald (es gab einfach keine Lotus-Händler) leaste ich eine Standard Elise (121 PS), Titanium, Leder schwarz. Eine der letzten drei. VIN hole ich nach. Zubehör: Zusatzscheinwerfer (es gab wirklich frühe Modelle ohne), Beifahrer-Fusstütze, Lederausstattung. Kein Servo, kein ABS, keine Airbags.

Wer noch nie Lotus gefahren ist, flippt beim Clash der Welten aus: Die exklusive Marke, mit der man James Bond verbindet, die Elise. Blinker vom Opel Astra, Knöpfe von der Peugeot 205/306 Resterampe. Eine Lüftung so laut wie eine Boeing beim Start, so leistungsstark wie eine Fahrradpumpe. Eine Heizung, die soviel bring wie ein Toaster als Heizung für ein 1.000 qm-Haus. Sitze so hart wie Orangenkisten. Kein Radio. Zigarettenanzünder, klar, aber kein Ascher. Das isses!

Und doch bin ich das Auto rain or shine 6 Jahre lang gefahren. Elisefahren ist mit nichts, was ich kenne, vergleichbar. Ein Super Seven ist ein Softie-Auto dagegen. Ich bin damit vier Stunden nach Osten, sechs Stunden nach Norden und Süden gefahren. Und bin grinsend ausgestiegen. Ich hab sogar Winterreifen draufgemacht. Bei Schnee kann man aber kaum Geradeausfahren – das ist echt spannend.

Die Elise hat einen schmalen Grenzbereich – aber so schmal ist der auch wieder nicht. Kein Auto vermittelt soviel aktive Fahrsicherheit. Die Lenkung macht, was man ihr sagt und der Motor (Modding vorausgesetzt) ist bissig. Klar, man wird mit diesem prinzipiellen Setup keinen Vmax-Rekord brechen – jenseits von 160 ist´s nicht mehr so spannend.

Kommunikation mit dem Beifahrer ist sehr mau, egal ob Dach drauf oder runter, es ist immer laut. Ab 120 braucht man Megafone oder eine Funkverbindung. Reden geht nicht, brüllen macht auch keinen Sinn.

Lotusfahren ist ein Statement für den Spass am Autofahren. Für das Spüren physischer Kräfte, was der Verzicht auf jedwede Elektronik möglich macht. Mit dem Lotus kann man driften, mit 160 in Kurven fahren oder Brötchen holen. Für mich ist die Elise das geilste Auto der Welt.

Porschefahren

Meine erste Porschefahrt war, siehe oben, ein einschneidendes Erlebnis. Ich habe bis zu meinem ersten eigenen Porsche viele Modelle gesehen, bin mitgefahren, selbst gefahren, dringesessen, eingestiegen, ausgestiegen. Als ich klein war, waren Porschefahrer Zahnärzte oder Rock- und Tennisstars. Der Onkel meiner ersten Freundin hatte einen blauen 964, später einen 993. Der Vater der Kusine meiner ersten Freundin fuhr schon immer Porsche. Als ich ihn kennenlernte, einen 964 Carrera 2. Später hatte er dann einen 993 Turbo. Nagelneu. Ich durfte einmal mitfahren und wir sind mit 220 aus Giesenkirchen raus, Richtung Liedberg, irgendwo rechts ab, quer durch den Kreisverkehr, mit 220 zurück. Mit einer Hand am Lenkrad, mit der anderen gestikulierend plauderte Wolfgang über dies und das im Turbo, während für mich die Gesetze der Fliehkraft wirkten.

Porschefahren ist ganz anders als BMW, Mercedes, wasauchimmer. Und auch Lotus, klar. Der Geruch in einem Porsche ist in Grundzügen immer gleich. Der Sound der schließenden Tür auch. Man erkennt einen Porsche bis Generation 993 an so vielen Liebenswürdigkeiten